Saramago und die Uhren
Die meisten von euch haben sicherlich schon einmal von José Saramago gehört, dem berühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus einem Interview wieder, das in El Mundo veröffentlicht wurde. Den vollständigen Text findet ihr unter dem unten stehenden Link.
Es gibt ein romantisches Detail im Leben von Saramago, das ihr sicher als erhaben empfinden werdet, wenn ihr sensibel seid. Wir fanden es so interessant, dass wir ihm einen Platz in dieser Rubrik widmen. Der Schriftsteller erzählt dem Interviewer, wie er seine jetzige Frau kennengelernt hat und wie das seine Uhren zu Hause beeinflusst hat:
F.- Erinnern Sie mich daran, wie Sie sie kennengelernt haben, den genauen Moment des Liebeskataklysmus. A.- Es geschah im Juni 1986. Ich war in meinem Haus in Lissabon und erhielt einen Anruf von ihr, der nicht der Anruf einer Journalistin, sondern der einer Leserin war. Sie stellte sich vor und sagte, sie wolle nach Lissabon reisen und mir eine Viertelstunde stehlen. Ich stimmte zu, ohne ein Datum festzulegen. Der Fall ist, dass sie 48 Stunden später bereits in Lissabon war. Ich erinnere mich, dass wir uns um vier Uhr nachmittags verabredeten... Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass die Uhren in diesem Haus um vier Uhr nachmittags stehen geblieben sind? Sie sind die erste Person, der ich das erzähle. Ich habe sie um vier Uhr angehalten, weil das die Uhrzeit war, zu der ich sie kennengelernt habe.
F.- Das ist ein sehr schönes Geständnis. A.- Alle Uhren zeigen diese Uhrzeit an, alle bis auf die, die Sie vor sich haben, eine chinesische Uhr aus der Zeit der Kulturrevolution. Es war meine Idee, sie anzuhalten. In diesem Moment änderte sich mein Leben.
Quelle: http://www.elmundo.es/magazine/m70/textos/saramago1.html