Erotische Poesie


SCHLACHTFELD (Rafael Alberti)

In den Leisten entsteht eine stille Hitze, wie ein leises Rauschen von Schaum. Seine harte Weide biegt die kostbare Tulpe ohne Wasser, lebendig und erschöpft.

In der Blut wächst ein unruhiger, dringender kriegerischer Gedanke. Die erschöpfte Blume, verloren in ihrer Ruhe, bricht ihren Traum in der nassen Wurzel.

Die Erde springt und verliert aus ihrem Inneren Saft, Gift und grünen Hain. Es pocht, knirscht, peitscht, drängt, explodiert.

Das Leben spaltet Leben im vollen Leben. Und obwohl der Tod das Spiel gewinnt, ist alles ein fröhliches Schlachtfeld.

OFENSTEIN (Nicolás Guillén)

Der verlassene Nachmittag stöhnt in Regen aufgelöst. Erinnerungen fallen vom Himmel und treten durch das Fenster ein. Harte gebrochene Seufzer, verletzte Träume. Langsam kommt dein Körper. Deine Hände kommen in ihrer Umlaufbahn von Zuckerrohrschnaps; deine Füße aus langsamem Zucker, verbrannt vom Tanz, und deine Schenkel, Zangen des Spasmus, und dein Mund, essbare Substanz und deine Taille aus offenem Karamell. Deine goldenen Arme kommen, deine blutrünstigen Zähne; plötzlich kommen deine verratenen Augen; deine ausgestreckte Haut, vorbereitet für die Siesta: dein plötzlicher Dschungelgeruch; dein Hals schreit – ich weiß nicht, ich stelle es mir vor -, stöhnt – ich weiß nicht, ich stelle es mir vor -, brennt – ich weiß nicht, ich nehme an, glaube; dein tiefer Hals verdreht verbotene Worte. Ein Fluss von Versprechen fließt aus deinem Haar, verweilt an deinen Brüsten, gerinnt schließlich in einer Melassepfütze auf deinem Bauch, verletzt dein festes Fleisch des nächtlichen Geheimnisses. Glühende Kohle und Ofenstein an diesem kalten Nachmittag von Regen und Stille.

AN EINEM DIESER NACHMITTAGE (Carlos Pellicer)

An einem dieser Nachmittage ohne mehr Farbe als die meiner Augen, habe ich dich entkleidet und die Reise meiner Hände und Lippen hat deinen ganzen Körper mit Tau gefüllt.

Diese Welt, die am Nachmittag erwacht, mit so vielen Episoden ohne Geschichten, wurde still als Banner gehisst und von Völkern von Sehnsüchten gefolgt.

Zwischen deinem Nabel und seinen Umgebungen lächelten die Augen meiner Lippen und deine Hüfte, Kugel in zwei Hälften, erfreute die Momente der Agonie, in denen mein Leben zu deinem Leben floh.

Wir sind so präsent, dass die Vergangenheit nicht zählt, ohne gesehen zu werden. Wir sind nicht das Verborgene; im Strom des Lebens sind wir.

Dein Körper ist das Nackte, das in mir ist, das ganze Wasser, das zu deinen Krügen fließt. Dein Name, deine Freude... Niemand weiß es; nicht einmal du selbst allein.

BLICK IST LIEBE (Ilhan Berk)

Bleib so, mein Schatz, bleib so und schau mich nur an. Blick ist Liebe. "Dann habe ich mich ausgezogen, um dir den Weg zu öffnen." So ganz nackt, so Fleisch mit Fleisch lass meinen Atem über dich wandern. Liebe ist transparent, jener naive Teufel deine Augen, deine nackten Brüste, deine Lippen so, das war's, komm, komm in mein Bett. Und küsse mich dann ohne Unterlass, noch einmal, noch einmal küsse mich eine so lange Reise erfordert die Liebe. Und umarme mich dann, umarme mich mehr umarme mich, damit ich weiß, dass du mein bist. So, das war's, Leiste an Leiste.

KÜSSE (Tomás Segovia)

Meine Küsse werden auf deinen ozeanischen Mund regnen zuerst einer nach dem anderen wie eine Reihe dicker Tropfen die wie Schattennelken platzen dann plötzlich alle zusammen sich in deiner Meeresgrotte versenkend ein Strom von stummen Küssen, die bis zu deinem Grund eindringen sich verlierend wie ein Strom im Meer in deinem ozeanischen Mund mit heißem Wellengang zerdrückte, weiche, breite Küsse wie das Gewicht von Plastilin dunkle Küsse wie Tunnel, aus denen man nicht lebend herauskommt blendend wie der Ausbruch des Glaubens gefühlt wie etwas, das dir entrissen wird kommunizierend wie kommunizierende Röhren eindringende Küsse wie die eisige Nacht, in der uns alle verlassen haben ich werde deine Wangen küssen deine adamitonischen Statuenwangen deine Haut, die unter meinen Fingern nachgibt damit ich ein Gesicht aus kompaktem Fleisch modelliere, das deinem gleicht ich werde deine Augen küssen, die größer sind als du selbst und größer als du und ich zusammen und das Leben und der Tod die Farbe der Glätte mit einem Blick, der so erstaunlich ist, wie sich selbst auf der Straße zu begegnen wie sich vor einem Abgrund zu finden der uns zwingt zu sagen, wer wir sind deine Augen, in deren Tiefen du lebst wie im klarsten Wald der Welt deine Augen voller Bergluft und die gleichzeitig einen rauen und süßen Glanz ausstrahlen deine Augen, die du nicht kennst die mit einem großen betäubenden Schlag blicken und mich verstummen lassen und mich ernst machen als ob ich plötzlich in einem einzigen Bild die ganze tragische, unerklärliche Geschichte der Spezies sähe deine Augen der jungfräulichen Sphinx des Schweigens, das wie Eis glänzt deine Augen des tausendjährigen Falls in den Brunnen des Vergessens ich werde auch deinen glatten und schwindelerregenden Hals küssen dein Hals, wo man die Bitterkeit beißen kann dein Hals, wo das Leben sich wie eine Frucht anknüpft, die man beißen kann und wo die Sonne in flüssigem Zustand durch deine Stimme und deine Adern zirkuliert wie ein schwereloser und elektrisch geladener Cognac ich werde deine Schultern küssen, gebaut und zerbrechlich wie die Stadt Florenz und deine Arme, fest wie ein mächtiger Fluss frisch wie die Mutterschaft rund wie der Moment der Inspiration deine Arme rund wie das Wort Rom liebevoll manchmal wie die Liebe der Kühe zu ihren Kälbern und deine Hände glatt und gut wie Holzlöffel deine Hände wie jene Stücke der Nacht, die plötzlich in der Mitte des Tages herabfallen deine Hände, die wie Fieber anregen oder weich wie der Schoß der Mutter des Mörders deine Hände, die beruhigen, wie zu wissen, dass Güte existiert ich werde deine Brüste küssen, Kugeln der Zärtlichkeit ich werde vor allem deine Brüste küssen, wärmer als die Genesung wahrer als der Blitz und die Einsamkeit und die in meiner Hand wie die Evidenz im Geist des Weisen wiegen deine schweren, fließenden Brüste deine Brüste aus solarem Quecksilber deine Brüste, die so breit sind wie eine definitiv ausgewählte Landschaft unvergesslich wie das Stück Erde, auf dem wir begraben werden sollen heiß wie die Lust zu leben mit zarten, irisierenden, floralen Brustwarzen ich werde deine Brustwarzen küssen, die Wunder und süße Nadeln sind die die Spitze sind, wo plötzlich die Kraft des Lebens und seiner Erneuerungen endet deine Brustwarzen als Knopf, um das Paradies zuzuknöpfen als Spross der Welt, der aus reinem Jubel blüht deine unterseeischen Brustwarzen mit Geschmack nach Frische ich werde tausendmal deine Brüste küssen, die wie Magnete wiegen und wenn ich sie drücke, sie sich wie die Sonne in den Weizenfeldern ausbreiten deine Brüste aus materialisiertem Licht und gesüßtem Blut großzügig wie die Freude, die Traurigkeit zu akzeptieren deine Brüste, wo alles gelöst wird wo der Krieg, der Zweifel, die Folter und der Wunsch zu sterben enden ich werde deinen Bauch küssen, fest wie der Planet Erde deinen Bauch aus einer Ebene, die aus dem Chaos aufgetaucht ist aus einer rauschenden Küste aus einem Kissen für den Kopf des Königs, nachdem er geplündert hat deinen geheimnisvollen Bauch, Wiege der verzweifelten Nacht Strudel der Hingabe und des blendenden Selbstmords wo die Stirn sich wie ein blitzgeschlagener Schwert ergibt deinen Bauch, Haufen aus goldenem, pulsierendem Sand Haufen aus schwarzem Weizen, der auf dem Mond geerntet wurde Haufen aus düsterem, aufregendem Humus deinen Bauch, der von unterirdischen Flüssen bewässert wird wo noch die Konvulsionen der Geburt der Erde pulsieren deinen kontraktilen Bauch, der sich wie eine plötzlich geronnene Erinnerung verhärtet und sich wie die Hügel wellt und wie die tiefsten Schichten des Ozeans pocht deinen Bauch voller Eingeweide von unerträglicher Temperatur deinen Bauch, der wie ein Ofen brüllt oder der ruhig und friedlich wie Brot ist deinen Bauch wie die Oberfläche der Wellen voll bis zu den Rändern mit tiefem Meer und Brandungen voller unwiderstehlichem, köstlichem Schwindel wie ein Sturz in einem außer Kontrolle geratenen Aufzug endlos wie das Laster und wie es unempfindlich deinen unermesslich schönen Bauch Tal in der Mitte von dir in der Mitte des Universums in der Mitte meines Denkens in der Mitte meines morgendlichen Kusses deinen Bauch aus Stierkampfarena geteilt in Licht und Schatten und wo der Tod erzittert weich im Griff wie der schwarze Rücken des Stiers des Todes deinen Bauch des Todes, der zur Quelle gemacht wurde, um das starke und klare Leben zu trinken ich werde deine Schenkel küssen, Kathedrale aus väterlichen Kiefern begehbar wie die Fensterläden, die sich auf das Unbekannte öffnen deine Schenkel, die wie eine nachdenkliche Erinnerung gestreichelt werden sollen gespannt wie ein Bogen, der nie abgeschossen wird deine Schenkel, deren Linie die Kurve des Verlaufs der Zeiten darstellt ich werde deine Leisten küssen, bewässert wie die maurischen Gärten durchscheinend und weiß wie die Milchstraße ich werde dein schreckliches Geschlecht küssen dunkel wie ein Zeichen, dessen Name nicht ohne Stottern gesagt werden kann wie ein Kreuz, das das Zentrum der Zentren markiert dein Geschlecht aus schwarzem Salz aus einer Blume, die vor der Zeit geboren wurde zart und pervers wie das Innere der Muscheln tiefer als die Farbe Rot dein Geschlecht aus süßer pflanzlicher Hölle aufregend wie das Bewusstsein zu verlieren offen wie der Samen der Welt dein Geschlecht der Vergebung für den schluchzenden Schuldigen der Auflösung der Bitterkeit und des gastfreundlichen Meeres und des begrabenen Lichts und der Erkenntnis der Liebe des Kampfes des Todes des Drehens der Sterne der Ehrfurcht der Tiefe der Reise zwischen Träumen der schwarzen Magie der Vernichtung des verzauberten Honigs der sanften Neigung wie die Verkettung der Ideen des Schmelztiegels, um Leben und Tod zu verschmelzen der sich ausdehnenden Galaxie dein heiliges Dreiecksgeschlecht werde ich küssen küssen küssen bis du ganz aufleuchtest wie eine Papierlaterne, die verrückt in der Nacht schwebt.

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